INKAS - Zeiten
Reflexion von Marlene Schulz,
19. April 2010

Schreiben kreativ, Schreiben lernen, Schreiben erleben
- Reflexion von Barbara Döring (31.03.2010)

Mein INKAS-Studium – eine Abschlussbetrachtung
von Anne Mai

DIE AURA DER WORTE 12.2008
Abtei Himmerod, Seta Arslanyan

Projektage Niedermühle 2007,
Odernheim am Glan
Manolo Link, Dublin

„Vom Schreiben der Sinne“
Autorenlesung auf der Landesgartenschau in Bingen
Gertrud Kati Schwabach

„Vom Zauber einen Text zu dichten und ihn vorzutragen“
eine Seminarreflexion von
Katrin Schumacher

Intensive Vermittlung des Creative Writing
Theo Schmich

Creative Writing – Studium in Bad Kreuznach vom 04.04.03 bis zum 19.03.05
- Reflexion von Petra Rauber

Creative Writing
Wege zum eigenen Buch

- Reflexion von Winfried Raab

Professionalisierung für Autoren und Autorinnen mit Sandra Uschtrin - Reflexion von Juliane Rutz

Seminarreflexion Projekttage Juni 2006 im Binger Wald
- Reflexion von Christine Seiler

Kreatives Schreiben kann zu einer Schreibwut führen
Reflexion von
Edgar Helmut Neumann

Worte aus der Stille: Sehnsucht nach der Erinnerung
Ein Rückblick auf ein Seminar mit Tradition von Annette Rümmele

„Abenteuer Schreiben in der Schweiz“
vom 01. bis 03. Juni 2007 in Meiringen im Berner Oberland
eine Seminarreflexion von
Katrin Schumacher

Niedernmühle 7.7.2007
Reflexion von Monika Landau

 
 
 
 

INKAS - Zeiten
Reflexion von Marlene Schulz,
19. April 2010

Ich lernte sie alle kennen:
Die Lust des Schreibens war die erste, die mir zur Seite stand, die neben mir wachte, war ich müde, die mich in ihre Arme schloss, war mir nach Nähe.
Die Fremde in mir entdeckte ich neu als hätte ich sie zuvor noch nie gesehen. Zeigte mir ihr Gesicht, ließ mich ihre Masken sehen, ihre Konturen, vom Alter gezeichnet.
Mit dem Duft der Amazone ritt ich auf hohem Ross, begleitete sie auf ihren Streifzügen, ihren Kämpfen mit harten Gegnern, manchmal im Wettstreit mit sich selbst oder nur mit dem einen, dem Meister.
Die erste Liebe mischte sich unter den Duft meiner Kindheit, entfachte das Feuer der Freude, weckte alle Sinne: Sehen. Hören. Schmecken. Riechen. Fühlen.
Den Moment des Augenblicks lernte ich kennen, drehte und wendete ihn, ließ ihn nicht los, versuchte ihn zu ergründen, verweilte mit ihm im Jetzt und genoss.
Entdeckte die Langsamkeit und die narrative Landkarte des Glücks. Mein Glück war das Schreiben. Gab mich nicht geschlagen, verwandelte Gelesenes, Gehörtes, Gefühltes, Gedachtes in Scheine, beschäftigte mich mit François Villon, Gerd Fuchs, Robert Lax, William Carlos Williams, Emily Dickinson, William Shakespeare, Allen Ginsberg, Gertrude Stein, John Berger, Regina Ullmann, Jerome Salinger, Adelheid Duvanel, Silvia Plath, Ted Hughes.
Am Vorlesen hatte ich Freude, sah die gebannten Gesichter der anderen, ihr Lächeln, ihr Gähnen, ihr Gespanntsein, ihre lange Weile und ihre Unterschiedlichkeit, die mein Schreiben Früchte treiben ließ, zur Ernte rief.
Mit Haiku, Senryu, Zeilenbruch und Cutup wurde ich bekannt, mit dem Sonett schloss ich Freundschaft auf steinernem Weg hinauf zum Gipfel, einem steilen Berg, die Spitze gelegentlich vernebelt. In der Shortstory fühlte ich mich zuhause, schrieb innere Monologe und Zweiminutentexte.
Sinnieren über Schreibzeiten, Schreiborte und der Versuch über meinen Schreibtisch zwangen mich, dem Schreiben einen Platz, seinen – den ihm gebührenden – Raum zu geben. Diesen Teil in mir wachsen zu lassen und gedeihen.
Die Spreu vom Weizen zu trennen lernte ich schmerzlich, weinte Tränen um manchen Text. Ließ mich mitreißen, wenn alles im Fluss war, mich mit hineinziehen in die Tiefen, in den Strudel, der endlos schien. Alles um mich verschwand, nur noch das eine zählte: Schreiben. Schreiben. Schreiben.
Kurzum: Ich würde es wieder tun!

© Marlene Schulz, 19. April 2010

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Schreiben kreativ, Schreiben lernen, Schreiben erleben
von Barbara Döring (31.03.2010)

Letztes Wochenende im März 2010, letztes INKAS-Wochenende. Zwei Jahre hat mich die Welt des Kreativen Schreibens begleitet.
Zwei Jahre reservierte ich mir die Kompaktwochenenden einmal im Monat bei Rüdiger Heins in Bad Kreuznach.
Voller Erwartung saß ich ab April 2008 in der Runde der Schreibenden. Mein Herzklopfen bei der ersten Schreibübung war nicht zu unterdrücken, wirkten die übrigen Seminarteilnehmer doch schon sehr geübt und routiniert. Der gleitende Einstieg in Rüdiger Heins Studienbeginn brachte mit sich, dass sich in der Gruppe Fortgeschrittene und Anfänger befanden.
Eine beliebte Übung in den Schreibfluss zu kommen ist der „Zwei-Minuten-Text“. Frei werden, kontrolliertes Denken ausschalten, spontan an ein Thema herangehen. Zweifel wurden bei mir schnell ausgeräumt, als nach dieser kurzen Zeit tatsächlich ein kleiner Gedankenentwurf auf dem Papier stand. Diese Texte bildeten meist eine wertvolle Grundlage für weiterführendes Arbeiten.
Geliebt habe ich diese Übungsform bis zum Schluss nicht. Löste die Stoppuhr jedes Mal den Reflex aus, ich kann unter Zeitdruck nicht schreiben. Und doch wurden „Zwei-Minuten-Texte“ die Grundlage für meine Abschlussarbeit.
Haiku, Senryu, Han-Shan-Gedichte, Sonett, alle Dichtformen, erleichterten mir den Zugang zur Lyrik und weckten meine Begeisterung unter anderem für den Zeilenbruch.
War ich zu Beginn noch sehr beeindruckt von dem Schreibvermögen der Studenten und Studentinnen im 3. und 4. Semester, verschwanden meine Unsicherheiten schnell. Durch gegenseitige Hilfestellung und einfühlsames Aufeinander zugehen wurde das Hineinwachsen in die Gruppe erleichtert.
Rüdiger Heins schaffte es, jeden Teilnehmer dort abzuholen, wo er gerade stand.
Schreibblockaden, Denkpausen, passive Zeiten, alle Phasen durchlebte ich in den zwei Jahren. Auch die Frage: „Wofür setze ich mich diesen Anforderungen aus?“ stellte ich mir mehr als einmal. Ganz schnell beantwortete sie sich selbst, indem der Drang zum Schreiben täglich präsent war und weiterhin ist.
Short-Story, Spannungsbögen, Cluster, Plot, Protagonisten, Handlungsaufbau, Textkulisse, viele neue Übungsfelder wurden in meinem Alltag erschlossen, machten mich neugierig auf unbekannte Welten.
Die Hinführung von der Klassik bis zur Moderne zeigten mir die unerschöpflichen Quellen des Lesens und Schreibens.
Zwei Jahre stand das „Schreiben lernen“ im Mittelpunkt meines Alltags.
Höhen und Tiefen erlebte ich in der Gruppe und in meinem persönlichen Schreibprozess. Erschöpft aber auch stets bereichert, trennten wir uns nach unseren Seminarwochenenden, ausgestattet mit wertvollen Übungstipps für unsere Schreibaufgaben.
Das Ende von INKAS ist der Beginn einer neuen Zeit.
Die Epoche danach wird nun geprägt sein, das Erlernte zu erproben, zu verfeinern und auszubauen.
Der Gedanke, dass mir das Schreiben nie genommen werden kann, mein Eigens ist, gibt mir ein gutes Gefühl.

Barbara Döring, geb. 1951, wohnhaft im Kreis Bad Kreuznach, hat das Schreiben für sich entdeckt. Das Studium bei INKAS erschloss ihr eine neue Welt der Kreativität.

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Mein INKAS-Studium – eine Abschlussbetrachtung
von Anne Mai

Am Naheufer
lag meine Inkas-Insel
im Fluss des Schreibens

Ein wenig befangen und zugleich neugierig sitze ich im Oktober 2006 zum ersten Mal in Bad Kreuznach im INKAS-Seminarraum der Katholischen Erwachsenenbildung St. Hildegard. Zweieinhalb Jahre später, im März 2009, werde ich hier mein Studium des Creative Writing beenden.

In der Zeit dazwischen reise ich einmal im Monat an die Nahe, um dort auf meiner Schreibinsel anzulegen. Spätestens an den roten Felsen bei Bad Münster fällt der Vorhang vor den Alltag und eine neue Bühne öffnet sich, auf der das Schreiben die Hauptrolle spielt.
Eine wortreiche Nebenwelt, eine wortfrohe Nahewelt, manchmal auch eine lustige Nebelwelt und eine frustige Notenwelt, all das wird INKAS über zwei Jahre für mich sein. Aber letztendlich fließt an der Nahe alles zusammen, bildet alles eine Einheit, im Schreiben und der Freude, die ich dabei erfahre.
Ich begegne einer Gruppe unterschiedlicher Menschen, in der jeder seinen Mosaikstein zum Ganzen fügt und so immer wieder neu das Kunstwerk INKAS entstehen lässt, das Rüdiger Heins 1997 gegründet hat.
Bereits am ersten Seminarabend erfahre ich vieles über kreatives Schreiben, Schreibprozesse und auch, dass am Ende des Studiums ein eigenes Buchmanuskript mit dem Ziel der Veröffentlichung stehen sollte.
In den Monaten danach gehört die konzentrierte Auseinandersetzung mit dem Creative Writing, mit zeitgenössischer Lyrik und Prosa zu meinem Schreiballtag. Der umfangreiche Themenstoff des literarischen Schreibens wird während der Seminarwochenenden durch Theorie und praktische Schreibübungen vermittelt und anschließende Hausarbeiten intensiviert. Die entstehenden Texte überraschen immer wieder, auch die Gedanken und Gefühle, die sich während des Schreibprozesses einstellen. Mein Schreiben wird mir zum Bedürfnis, gewinnt an Sicherheit, Farbe und Klang.
Das INKAS-Studium ist lebendige Erfahrung, begleitet von Höhen und Tiefen, von Stolz und immer wieder auch Zweifeln. Es handelt sich nicht um die klassische akademische Wissensvermittlung, sondern es erreicht uns auf einer inneren Ebene, sendet von dort seine Impulse in die Kreativität des Einzelnen und lässt intensive Prozesse entstehen.
Zum allgemeinen Unterrichtsstoff gehören auch das Schreibhandwerk und -techniken wie Plot, Setting, Spannungsbögen oder Erzählperspektiven. Wir arbeiten daran, das erworbene Wissen in unseren Texten umzusetzen, und erstellen Cluster, Epigramme, Haiku und immer wieder Zwei-Minuten-Texte, um leichter in den Schreibfluss zu kommen. Wider Erwarten bin ich besonders fasziniert von lyrischer Verknappung wie Zeilenbruch oder Cut-up.
Die Planung und Durchführung von Lesungen gehört ebenfalls zum Unterrichtsstoff. Das Thema Exposé gerät beinahe zum Störfall eines Seminartages, weil diese professionelle Form strenge Maßstäbe anlegt und die persönlichen Vorstellungen der Studenten zum Teil erheblich davon abweichen. Ein Highlight ist das Entwickeln von Charakteren, die plötzlich mit uns im Raum sitzen und ein Eigenleben führen wollen.
Ich erfahre vieles über Literatur, von der Antike bis zur Moderne, nicht zuletzt in Vorträgen, die wir Studenten selbst gestalten.
Ein weiterer Höhepunkt ist die Lesung „Vom Schreiben der Sinne“ auf der Landesgartenschau in Bingen, die unsere Gruppe über Lampenfieber und Gewitterregen triumphieren lässt und fester zusammenschweißt.
Immer wieder vermittelt uns Rüdiger, dass nur der Klang die Worte beseelt, und schärft unser Empfinden für das, was ihn vom Missklang oder Nichtklang unterscheidet. „Klang“ ist Rüdigers Zauberwort und ich bewundere sein untrügliches Gehör.
Von jedem Teilnehmer unserer Gruppe erhalte ich etwas, das mein Schreiben positiv beeinflusst und weiter bringt, und hoffe, dass es mir gelungen ist, Gegengeschenke zu machen.

Immer wieder beginnen neue Studenten, andere beenden ihr Studium. Wir freuen uns auf die Neuen und den frischen Wind, der mit ihnen in die Gruppe weht. Aber wir spüren auch den Verlust, wenn jemand abschließt, unterbricht oder eine Zeitlang fehlt. Nur Rüdiger ist immer da. Wir kommen und gehen, Rüdiger bleibt.
Aber es ist gut zu wissen, dass er den Neuen ebenso zur Seite stehen wird – als Dozent und Ansprechpartner, manchmal auch Zuchtmeister und immer als oberste Klanginstanz. Es hat etwas Schönes, ihn dort zu wissen, und hoffentlich weiß auch er, dass er dort bleiben muss, weil er diesen Raum so wunderbar füllt.
Im Laufe meiner Inkas-Monate lerne ich jeden einzelnen Teilnehmer zu schätzen.
Für Carla und ihre Wortlust bin ich besonders dankbar, Manolo sieht stets das Positive, der junge Manuel hat schon so viel geleistet, Benedikts Stimme beeindruckt uns alle. Ich freue mich auf diese Studien-Wochenenden mit Marion, Stephan, Monika und allen anderen. Im Laufe der INKAS-Zeit rücken wir näher zusammen, denn Schreiben verbindet und lässt Einblicke in innere Räume bei stets gewahrter Distanz zu. Wir gehen sorgsam miteinander um und genießen auch die freie Zeit, das Abendessen am Freitag, den Spaziergang in den Weinbergen, den Blick auf die Nahe und den Bummel durch die Fußgängerzone.
Bad Kreuznach ist ein guter Schreibort. Ein Kaffee am Freitagnachmittag in der Fußgängerzone ist oft der Einstieg in unsere Schreibwelt. INKAS kann beginnen, die Auseinandersetzung mit dem Kreativen Schreiben wird bis zum späten Samstagnachmittag die wichtigste Sache der Welt sein.

Es ist ein gutes Gefühl zu lernen und sich in Frage zu stellen, auch das Schreiben stets aufs Neue in Frage zu stellen und es anzunehmen, um sich dem Fließen der Worte zu überlassen. Sei es für eigene Aufzeichnungen oder ein Projekt.
Ein solches findet sich auch für mich. Zusammen mit Carla Capellmann startet die Arbeit an einem gemeinsamen Lyrikband. Außerdem beginne ich ein zweites Vorhaben, das gute Fortschritte macht. Darin geht um die Verbindung von Orten mit der Materie Stein.
Die Fertigstellung dieser Aufgaben bleibt mir am Ende meiner INKAS-Zeit, ebenso die Freude am Schreiben. Was auch bleibt, ist ein Leuchten, wenn ich an INKAS und die Nahe denke, an Rüdiger und unsere Schreibgruppe.
Ich bin froh und dankbar für diese intensive Studienzeit. Sie ist ein Geschenk fürs Leben.


Anne Mai, im April 2009

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DIE AURA DER WORTE

Vom 11. – 14. Dezember 2008 fand in der Abtei Himmerod ein Kreatives-Schreiben-Seminar mit dem Titel „... und mach meine Seele gesund“ statt. Ich hatte schon oft mitbekommen, dass Rüdiger Heins Schreibseminare anbietet, und dieses Mal sollte auch ich erstmals daran teilnehmen.

Bereits am Vorabend hatten wir uns alle ein wenig beschnuppert und bei diversen Diskussionen warmgeredet. Am kommenden Morgen ging es dann auch gleich mit folgender Fragestellung ans Schreiben: Was macht mich krank? Was heilt mich?
Bei diesem Thema flog die Feder nicht nur bei mir über das Blatt, sondern auch bei allen anderen Teilnehmern. Wir waren insgesamt 12, im Alter von 35 – 85 Jahren. Also eine interessante und vielseitige Mischung!

Die nächste Aufgabenstellung war nicht mehr so allgemein und ging ins Eingemachte, aber schließlich sollte bei uns etwas Heilen. Nach einer Art Themensammlung, was in Fachkreisen Clustern genannt wird, schrieben wir einen Brief an unsere Mutter. Puh, das war gar nicht so einfach! Die Stimmung änderte sich mit einem Mal und verdrängte oder vergessene Erinnerungen kamen hoch. Die Luft wurde schwerer, und beim anschließenden freiwilligen Vortrag floss die eine oder andere Träne. Das war aber weiter nicht schlimm, da das Seminar aus erwachsenen und wohlwollenden Menschen bestand, die genügend Einfühlungsvermögen besaßen. Auch das Thema Vater wurde behandelt, und die Erkenntnis folgte, dass man noch so alt sein kann, aber wenn es um die Eltern geht, wurde man wieder zum Kind.

Die Stimmung vertiefte sich immer weiter, und so war ein guter Seminar-Lehrer gefragt, der uns wieder erdete: Wir machten eine Bildbeschreibung, lasen ein Gedicht und versuchten auf verschiedenen Wegen eine Kurzgeschichte zu schreiben. Zwischendrin las immer wieder jemand vor, und es war schön zu beobachten, wie unterschiedlich die Teilnehmer waren und wie sich das durch ihr Schreiben offenbarte.

Und auch ein weiteres Phänomen kam zum Vorschein, welches das ganze Seminar über unbewusst mitschwang: Jedes Wort, jede Wortkombination, jede Wortfolge und selbst das Weglassen von bestimmten Worten hatte eine andere Ausstrahlung, eine andere Färbung und eine andere Aura. Dies wurde uns besonders bei einem Gedicht bewusst, das wir interpretierten, und dessen Stimmung wir in einer selbstverfassten Geschichte wiedergeben sollten.
Zum Schluss wurde das Wochenende schließlich mit der Traum-Poesie abgerundet. Träume wurden notiert und besprochen, und nicht selten hinterließen sie ein Geheimnis zurück.
Und in diesem Fall, verehrter Leser, möchte ich gerne von meiner persönlichen Erfahrung berichten:

Ich hatte mir einen Traum ausgesucht, den ich vor exakt drei Jahren geträumt hatte, und dessen Deutung mir nie vollständig und befriedigend gelungen war. Ich dachte mir: Hey, versuch es doch mal im Seminar, vielleicht gibt es ja neue Erkenntnisse. Gesagt getan. Ich trug meinen Traum vor, blieb aber bei der Deutung stehen, die ich bereits kannte. Irgendwie musste durch das Hervorkramen und Schreiben bei mir doch ein Hebel in Gang gesetzt worden sein. Das merkte ich daran, dass mir die Bilder des Traumes am Abend, kurz vor dem Einschlafen, keine Ruhe ließen. Und dann geschah etwas: Plötzlich durchfuhr mich wie ein Blitz die Deutung. Mir wurde abwechselnd heiß und kalt und ich spürte: Das war es! Und weil dieser Traum ein wichtiger Traum war, lag mir besonders viel an seiner Deutung. Das Seminar hatte also über seine Zeit hinaus eine Heilung bei mir verursacht, die ich als einen riesigen, persönlichen Erfolg betrachte, und für den ich sehr dankbar bin. Und da wir gerade beim Danken sind: Hey, Rüdiger! Das war ein tolles Seminar mit einer klugen und souveränen Führung, welche das richtige Maß an Tiefe und Leichtigkeit, an Emotionen und Erdung getroffen hat. Wir haben viel gelernt. Danke!

Seta Arslanyan


 

Projektage Niedermühle 2007,
Odernheim am Glan
Manolo Link, Dublin

Die Projekttage in der Niedermühle begannen Freitagabend mit einem wundervollen Referat von Hans Tönjes Redenius, Schriftsteller »Am Anfang war das Wort«.
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort
Johannes 1,1-2
Auf seine fachkompetente Art brachte Redenius uns das Wesen und die Macht des Wortes nahe.

Anne Mai und Carla Capellmann bereiteten uns einen unterhaltsamen und lehrreichen Samstagmorgen mit dem Thema Ulla Hahn, Autorin.

Die Projekttage waren nicht nur geprägt von Haiku, Poesie und Kreativität. Etwas ganz besonderes präsentierte Rüdiger Heins uns mittels des Disibodenberg, der unmittelbar neben der Niedermühle, für alle Teilnehmer eine unerschöpfliche inspirierende Quelle für Schreibübungen war. Noch heute ist der Geist von Disibod, iro-schottischer Wanderprediger, der um 600 die erste Taufkapelle und später ein Kloster dort errichtete, und Hildegard von Bingen, die 500 Jahre später dem Ort ihre Spiritualität verlieh, zu spüren. Die Niedermühle, eingebettet in wunschträumerischer Natur, ist ein perfekter Ort für eine Schreibwerkstatt. Unterbringung und Verpflegung hätten nicht besser sein können.

Manolo Link, Dublin

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„Vom Schreiben der Sinne“
Autorenlesung auf der Landesgartenschau in Bingen
Gertrud Kati Schwabach

Heiß brennt die schwüle Luft, dringt durch die Kleidung bis auf der Haut. Ein regengrauer Himmel hängt bleischwer über einem kleinen Grüppchen Menschen, dass sich dem Wetter trotzend fröhlich-aufgeregt an einem ungewöhnlichen Ort einfindet: einem Theater unter der Erde. Oder fast. Es ist jedenfalls nicht zu sehen, wenn man über die weiten Rasenflächen kommt.
Bingen am Rhein, 26. Juli 2008. Menschen strömen, von der erdrückenden Schwüle scheinbar unberührt, über die Landesgartenschau. Wunderschöne Blumen, interessante Gärten und exotische Gewächse. Ein wenig versteckt, hinter dem großen Halbrund der Openair-Bühne, befindet sich das Tunneltheater.
Ein alter Fußgängertunnel unter den Bahngleisen, zugeschüttet bis auf ein paar Meter, dient heute als Kulisse für eine kleine, feine Veranstaltung: Der Wettbewerb „Vom Schreiben der Sinne“ erfährt seine Krönung. Die drei Preisträger stellen ihre Texte öffentlich vor. Und auch andere Autoren des INKAS haben die Gelegenheit, nun einem Publikum zu präsentieren, was sie in ihren Herzen, Köpfen und Fingern tragen.
Eine aufregende Sache, denn die dringend benötigte Resonanz bedeutet auch: Ich sehe meinem Schaffen ins Gesicht. Ich setze mich der Reaktion völler unbekannter Menschen aus. Ich zeige mich und werde verletzbar.
Felsig-grüne Abhänge leuchten zwischen dem Grau des Himmels und seiner Spiegelung im Rhein. Burg Ehrenfels, still und alt am anderen Ufer des ehrwürdigen Flusses, schaut gelassen über das Land. Vielleicht lächelt sie sogar ein wenig, in sich hineinbrummend über das Treiben der Welt. Angesichts der Herausforderung im Tunneltheater, selbst für die wunderbare Organisation, hat ihre unerschütterliche Ruhe etwas Tröstliches.
Eine Mikrofonprobe macht den Vortragenden unweigerlich klar: Es ist soweit. Hier und jetzt wird ein Publikum hören, was wir geschrieben haben. Und es wird darauf reagieren.
Eine Harfe, ein Seeleninstrument, verströmt ihre sphärischen Klänge, sehr passend und sensibel gespielt von dem Musiker, der eigens für die Lesung geladen wurde.
Nicht alle Autoren sind gleich aufgeregt und es ist auch nicht für alle Autoren das erste Mal. Und so unterschiedlich wie die Texte, so unterschiedlich sind ihre Schreiber. Die Vielfalt der menschlichen Wahrnehmungsfähigkeit darf sich hier zeigen. Ganz deutlich wird das in der Wahl der Preisträger: ein zweiter und zwei erste Plätze. Zu gut und zu verschieden sind die Texte, als dass sie olympiamäßig auf drei Treppchen passen würden. Eine Geschichte, genauestens Körpervorgänge beschreibend, die durch unsere Sinne erlebt werden können. Eine Geschichte, die den nicht vorhandenen Sinn des Sehens, ein blindes Kind, und die dadurch entstandene Schärfe der Wahrnehmung zum Mittelpunkt wählt. Und eine Geschichte, die den Zuhörer oder Leser mitnimmt in das sinnliche Erleben der ersten Liebe.
Genau in dem Moment, als die letzte Preisträgerin ihren Text vorträgt, bricht der Regen los. Eine unterbrochene Lesung. Wie schade, aus der Faszination einer Geschichte gerissen zu werden. Doch: Was für ein Glück, dass der Tunnel für ein paar Meter noch vorhanden ist. Und so finden nicht nur die Vortragenden, sondern auch das Publikum Schutz vor dem Gewitter. Eine ungewöhnliche Nähe entsteht, die etwas Fröhliches hat. Noch ein paar Mal wechseln die Akteure dieses Abends, ob Autoren oder Publikum, die Plätze. Immer wieder Schauer, bis sich die rheinischen Engel endgültig entscheiden, ihre Badewasser auszugießen. Der Regen hat auch etwas Erlösendes, die Spannung der drückenden Vorgewitterstimmung entsprach vielleicht der Stimmung der Autoren. Und nun ist es ausgesprochen, nun sind die Worte in die Welt geschickt. Und nun darf es regnen.

Gertrud Kati Schwabach

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„Vom Zauber einen Text zu dichten und ihn vorzutragen“
eine Seminarreflexion von Katrin Schumacher

Bereits der Titel des Seminars, das vom INKAS Institut für KreAtives Schreiben veranstaltet wurde, birgt eine geheimnisvolle Stimmung. Das am Südrand des Hunsrück gelegene Schloss Dhaun stand uns AutorInnen zwei Tage zur Verfügung, um unter fachkundiger Anleitung von Bärbel Jenner (Sprecherzieherin und Radiomoderatorin) und Rüdiger Heins, einen intensiven Zusammenhang von Schreiben und Vortragen zu erfahren.
Die SeminarteilnehmerInnen wurden gleich zu Beginn des Seminars in zwei Gruppen aufgeteilt:

Die Gruppe bei Rüdiger Heins erarbeitete zunächst einen Text aus den Bereichen Prosa oder Lyrik. Doch zuvor ermöglichte uns „Tai Chi“ (Interaktion von Körper, Seele und Geist) eine Aktivierung der kreativen Denkprozesse.
Vermittelt und eingeübt wurden in diesem Seminarmodul besonders die verschiedenen Elemente (Setting, Dramaturgie), die für die Planung und den Ablauf einer Autorenlesung erforderlich sind.

Die SeminarteilnehmerInnen der Gruppe bei Bärbel Jenner erlernten grundlegende Techniken der Atmung und Stimmbildung (Lockerungs- und Beweglichkeitsübungen). In praktischen Übungen (gegenseitiges Vorlesen) wurden dann unterschiedliche Kriterien (Sprechgeschwindigkeit, Betonung, Atmung) überprüft und korrigiert. Ein wichtiger Aspekt bildete hier die Wechselwirkung zwischen Autor, über den Text hin zum Publikum.
Die AutorInnen hatten die Möglichkeit durch das Lesen und Hören von Eigen- und Fremdtexten, sich in eine kritische Auseinandersetzung zu begeben.

Höhepunkt des Seminars bildete eine "StudioLesung", in der alle Elemente – von der Atmung bis hin zur Präsentation – verknüpft und in Szene gesetzt wurden. Jeder der Teilnehmer kam nun in den Zauber des gedichteten Vortrags.

April 2005, Katrin Schumacher

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Intensive Vermittlung des Creative Writing
- Reflexion von Theo Schmich

Sechs Frauen und ein Mann finden sich im Oktober 1998 in Bad Kreuznach erstmals zusammen, um ein Seminar in kreativem Schreiben zu absolvieren. Eine Art und Weise, an das literarische Schreiben heranzugehen, die in den USA seit Jahrzehnten und mit mehr als beachtenswertem Erfolg eine Selbstverständlichkeit ist und bei uns nach Jahren skeptischer Betrachtung allmählich auch Eingang findet. Monatlich an einem Samstag findet das Seminar statt. Zwei Jahre lang. Sieben Stunden jeweils an diesen Samstagen, vom späten Vormittag bis in den frühen Abend.

Sechs Frauen, ein Mann, die übliche statistische Zusammensetzung bei Kursen und Seminaren dieser Richtung - viel Frau, wenig Mann. Und wie es sich gehört, hat der Mann den weitesten Weg, 250 Kilometer des Morgens vom Ruhrgebiet nach Bad Kreuznach, die gleiche Strecke des Abends zurück. Nach Abschluss des Seminars, zwei Jahre nach jenem Oktober 98, wird er äußern, der weite Weg jedes Mal, um an dem Seminar teilnehmen zu können, habe sich durchaus gelohnt. Die meisten der Teilnehmerinnen kommen nicht von ganz so weit - aus Bad Kreuznach und der näheren Umgebung, aber auch zwei, die die Autobahnfahrt aus der ebenfalls nicht gerade vor der Haustür gelegenen Eifel nicht schreckt, das Seminar zu besuchen.

Da das von einem Mann geleitet wird, von Rüdiger Heins, fühlt selbst der Quotenmann sich bei diesem ersten Treffen nicht völlig verlassen und einsam. Anfangs ein wenig Scheu voreinander - wie könnte es anders sein, wenn einander bis dahin unbekannte Menschen zusammen kommen, von denen erwartet wird, dass sie einführend ihr bisheriges Verhältnis zur Literatur, zum literarischen Schreiben, schildern. Und einander alsbald selbst verfasste Texte vorlesen, die sechs Frauen, der Mann, im Alter verteilt von immerhin einiges über Dreißig bis gerade mal knapp unter Siebzig. Ihr Erfahrungsgrad mit Schreiben und Literatur unterschiedlich. Aber kein ausgemachter Profi unter den Teilnehmern - Verzeihung, Teilnehmerinnen, denn die sind doch in der Überzahl, und so wird im weiteren Verlauf des Seminars nur die weibliche Form angewandt. Und wozu Profis. Dafür ist das Seminar doch da, um im Schreibhandwerk geschulte Autoren aus ihnen zu machen.

Befreiend zunächst die Erfahrung, dass niemand, der Seminarleiter nicht und auch nicht die Teilnehmer/innen, kritikwütig über die Texte der jeweils anderen herfallen - eine Erfahrung, die sich in vielen Schreibkursen anderswo sehr wohl machen lässt. Aber hier, am Hermann Hesse Institut für Kreatives Schreiben zu jener Zeit, jetzt INKAS - Institut für Kreatives Schreiben, nicht. Sehr einfühlsam in die Texte, der Seminar- und Institutsleiter; doch keineswegs völlig kritiklos. Kritik ist nötig, um zu lernen. Doch die Kritik wird hier behutsam gehandhabt, nicht mit dem Knüppel verabreicht sondern in angemessenen Dosen, so, wie es Geschöpfen, Schöpfungen gegenüber angebracht ist; und ein literarischer Text ist eine Schöpfung, wie der Seminarleiter immer wieder verdeutlicht. Beruhigend auch in diesem Zusammenhang die Vorgabe und Versicherung von Rüdiger Heins, dass nichts von dem, was während der Seminarstunden geäußert wird, nach außen dringt, weiter getragen wird. Geht es doch um kreatives Schreiben, eine Form des Schreibens, bei der sehr viel Privates, Autobiographisches ans Licht drängt, verarbeitet und - vorgelesen wird.

Kreatives Schreiben, Lyrische Archäologie, Zeitgenössische Lyrik und Prosa - so lauten die sachlichen Bezeichnungen für den Unterrichtsstoff. Wobei die Übungen zum kreativen Schreiben zum Handwerkszeug verhelfen und die anderen Dinge vor allem dem Verständnis von Literatur und deren Entstehung dienen - Tausende von Jahren liegen die Wurzeln zurück. Ein ehrwürdiges Handwerk, die Schriftstellerei.

Den Zugang zu zeitgenössischer Lyrik und Prosa erleichtern und vertiefen kurze Vorträge, die die Einzelnen nach Vorschlag durch den Seminarleiter über namhafte Autoren auf diesen Gebieten halten. Doch bei Vorträgen bleibt es keineswegs, praktische Übungen sind der Kern der Seminartage - das Schreiben von Erzählungen nach vorgegebenen Handlungsmustern etwa. Das Verfassen lyrischer Texte, angefangen bei der strengen Form des Haiku bis zu Gedichten offener Struktur. Wobei bei allen Teilnehmer/innen von Mal zu Mal das Verständnis für diese Formen wächst und sich die Qualität ihrer literarischen Schöpfungen deutlich steigert. Sogar den Quotenmann, der sich bei Seminarbeginn nicht gerade als ausgemachter Lyrikfreund offenbarte, fasziniert mit fortschreitendem Unterricht die Gedichtform mehr und mehr und schließlich verfasst er, wie die anderen, eigene Gedichte - was er bis dahin für undenkbar gehalten hätte.

Zur Ergänzung und Vertiefung der Übungen erhalten die Teilnehmer/innen für die Wochen zwischen den monatlichen Treffen in Bad Kreuznach literarische Hausaufgaben - die Fortführung am Seminartag begonnener Texte, Haiku oder sonstige Gedichtformen zu bestimmten Themen und anderes mehr. Wobei die Sonnenfinsternis im August 1999 Anlass zu einer Übung, zu einer Hausaufgabe ganz besonderer Art bietet: Vierzehn Tage lang, beginnend am 1. August, schreiben die Seminarist/innen, an ihrem jeweiligen Heimatort, in Erwartung der Sonnenfinsternis Zweiminutentexte über Tageseindrücke, Texte einer Länge, wie sie sich in zwei Minuten schreiben lassen, zu beliebiger Tageszeit, am Tag der Finsternis jedoch um genau 11 Uhr 8. Die einzelnen Texte werden sodann in einer im Semiarverlauf gegründeten Literatur--zeitschrift, der EXPERIMENTA, veröffentlicht, die sich, noch während des Seminars, mit Ausgaben zu weiteren Themen fortsetzt.

Mehr oder weniger alles trockener Stoff? Eine Einführung in die Deutung persönlicher Träume lockert ihn auf. Geführte Meditationen. Übungen zu Yoga und Thai Chi, um Körper und Geist zu entspannen, was wiederum der Kreativität zuträglich ist. Und auch die Schreibübungen werden nicht ausschließlich im Seminarraum des Institutes in der Dr. Faust Gasse von Bad Kreuznach abgehalten, sondern hin und wieder in der Natur: An einer besonderen Stelle im Wald der näheren Umgebung und, besonders eindrucksvoll, abseits von Bad Kreuznach auf dem Disibodenberg mit seinen imponierenden Resten des ehemaligen Benediktinerklosters dort. Das Abhalten etlicher Seminartage an den Heimatorten der einzelnen Teilnehmer/innen bringt weitere Abwechslung, neue Eindrücke. Und durch das alles zusammen genommen sind die angehenden Schriftsteller/innen nach einem Jahr Seminar soweit, ihre größte Übungsaufgabe in Arbeit zu nehmen, ein Buchprojekt. Dessen Thema freigestellt ist. Das zu Beginn einzeln mit dem Seminarleiter besprochen, im weitern Verlauf von ihm lektoriert wird.

Und, ebenfalls nach etwa einem Jahr Seminar, öffentliche Lesungen, auf denen die Seminaristen besonders gelungene Texte vortragen: im Kurhaus in Bad Meddersheim, in der Hildegardis-Kapelle von Bingen, der wohl bekanntesten Persönlichkeit dieser Stadt, Hildegard von Bingen gewidmet, in einer ehemaligen Eishöhle der Eifel, früher zur Eisgewinnung genutzt sowie, immer ein Jahresereignis, auf der Langen Nacht der AutorInnen in Bad Kreuznach. Mit Vergabe eines Literaturpreises, dem Bumerang.

Doch noch ist das Seminar nicht abgeschlossen: Vom Seminarleiter bekommen die Teilnehmer/innen die Aufgabe, Rezensionen von Büchern zu schreiben, die sie zu diesem Zweck zugeteilt bekommen. Das eine oder andere Ergebnis wird in Literaturzeitschriften erscheinen.
Und in jedem Jahr - zwei davon erlebt das Seminar - ein gemeinsamer Besuch der Frankfurter Buchmesse, um die Atmosphäre dort kennen zu lernen und den einen oder anderen der bewunderten "Großen" zu erleben, zu denen man eines Tages vielleicht - alles ist möglich - selber gehört.

Mit einer kleinen Feier mit Übergabe eines Zeugnisses über die Teilnahme am Seminar enden die zwei Jahre. Wobei die Absolventen beschließen, sich weiterhin zu Arbeitstreffen und gemeinsamen Lesungen zusammenzufinden. Und ihre Literaturzeitschrift, die EXPERIMENTA, weiterzuführen.


März 2001, Theo Schmich

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Creative Writing – Studium in Bad Kreuznach vom 04.04.03 bis zum 19.03.05
Studienleiter: Rüdiger Heins

Reflexion von Petra Rauber

Seit Mai 2001 besuchte ich mehrere Creative Writing – Seminare unter Leitung von Rüdiger Heins.
Ich erhielt ein Stipendium des Instituts und entschloss mich daher, trotz ganztägiger Berufsausbildung und Familie, das Studium zu absolvieren.
Innerhalb des Studiums organisierte ich eine „Lange Nacht der Autoren“ und war behilflich bei der Organisation einer weiteren.
Ich erhielt den Lyrikpreis 2003 der Stadt St. Wendel und den Bumerang – Literaturpreis des INKAS – Instituts (Publikumspreis) im Jahr 2004.

Die Studientage waren informativ, mit viel Humor und Ideen gespickt und ich empfand es so, dass jeder das mitnehmen konnte, was er aufzunehmen bereit war.

Zu Beginn des Studiums ernteten wir von Rüdiger Heins sehr viel Zustimmung für unsere Texte. Kritik wurde vermieden, nur Ergänzungsvorschläge und Hinweise an die Frau / den Mann gebracht.
Ab dem zweiten Semester forderten wir uns die Kritik des Studienleiters ein, die uns dann auch gegeben wurde. Sie war nie persönlich, sondern objektiv und konstruktiv und forderte mein literarisches Talent heraus. Ich spürte bei jedem meiner vorgetragenen Texte die - spätestens zuhause - wohltuende und bereichernde Wirkung dieser Kritiken.
Ebenfalls anregend, weiterführend und mit am Wichtigsten empfand ich die Möglichkeit des Austauschs und der Kritik untereinander.

Es war eine schöne Zeit, die, wie könnte es anders sein, nun doch viel zu schnell vorüber ging.

Petra Rauber St. Wendel, den 01.05.05

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Creative Writing
Wege zum eigenen Buch

Wann: Donnerstag, 23.06.05 (09.00 Uhr) bis Sonntag, 26.06.05 (4 Tage)
Ort: Bosener Mühle, Saarland
Dozent: Rüdiger Heins, Bingen
Teilnehmer: 10 Frauen, 3 Männer

Das Kreative Schreiben, erfahren die Teilnehmer, heißt richtig: CREATIVE WRITING, wird in den USA seit vielen Jahren gelehrt und hat vor allem etwas mit Haufen, richtig CLUSTER zu tun. Ein Beispiel:

Bei dem CLUSTER steht das Schlüsselwort in der Mitte, wird mit einer Ellipse umrahmt und um dieses Schlüsselwort, diese Ellipse herum werden weitere Begriffe, die einem dazu einfallen notiert, ebenfalls mit einer Ellipse umrahmt und mit einem Strich zum Schlüsselwort verbunden.

Das CLUSTER hat eine verblüffende Wirkung. Es zwingt die Teilnehmer den in ihnen ruhenden Vulkan zum Ausbruch zu bringen und gleichzeitig das ausbrechende Chaos zu visualisieren und ihm Struktur und Ordnung zu geben. Als Beobachter dieses Vorganges ist man geneigt die Behauptung aufzustellen: Das CLUSTER ist die notwendige Bedingung für Kreatives Schreiben (CREATIVE WRITING).

Nach den ersten Übungen, ein CLUSTER auf ein leeres Blatt (Querformat) zu malen, öffnen sich die Türen. Bei manchen Spalte um Spalte. Bei anderen werden die Schlösser gesprengt und der Zwei-Minutentext ergießt sich bzw. purzelt bei den weniger geübten und erfahrenen Teilnehmern auf das Blatt.

GREATIVE WRITING, Schreiben, wie es der Dozent versteht, ist literarisches Schreiben. Jeder weiß, was es ist, keiner kann es erklären. Lyrik, ein Ehrfurcht gebietendes Wort. Die Teilnehmer, die nach wenigen Textübungen zu SchriftstellerInnen mutieren, verlieren die Scheu und dichten. Protagonisten gleich streifen sie durch Settings mit Plots gefüllt, betrachten erst sich selbst als Ich, um alsbald zum neutralen Beobachter zu werden und lassen Personen Dialoge führen. Die Dramaturgie wird zum Spannungsbogen, der die Geschichte so angenehm zu Gehör bringt.

Trainieren, täglich schreiben, zwei Minuten, auch mehr, Kurse besuchen, Seminare, Ordnung ins Chaos bringen, das ist das Credo. Im Gespräch mit den Teilnehmern (AutorInnen) versteht es der Dozent geschickt den richtigen Köder auszulegen, die verborgenen Schätze zu heben.

Einhellig das Urteil am Schluss:
Das Seminar ein voller Erfolg.

Der Dozent hat seine Arbeit sehr gut gemacht. Ein wahrer Meister seines Faches.

Winfried Raab

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Professionalisierung für Autoren und Autorinnen mit Sandra Uschtrin
in der KEB Bad Kreuznach
am 27.05.2006

Wohin mit meinem fertigen Buchmanuskript? Wie bringe ich es an den Leser und die Leserin?
Diese Fragen und viele weitere wurden von Sandra Uschtrin, Herausgeberin der Literaturzeitschrift „Federwelt“ und des „Handbuches für Autoren und Autorinnen“ an diesem Samstag beantwortet.

Sehr umfassend und kurzweilig stellte sie Grundzüge des Verlag- und Agenturwesens dar, die für die TeilnehmerInnen, egal ob Anfänger oder bereits gestandene Autoren wichtige Einblicke in den Literaturbetrieb gaben.
Wie ein roter Faden zog sich immer wieder die Aufgabe der Recherche durch das Seminar; nicht nur für die Erarbeitung eines Manuskriptes, sondern auch für die anschließende Vermarktung des eigenen Werkes eine durchaus ausschlaggebende Komponente. Welcher Verlag könnte an meinem Manuskript interessiert sein, in wessen Programm passt mein Liebesroman, Krimi oder meine Abhandlung über den Kreuzzug der Tempelritter? Das Internet tauchte immer wieder als wichtige Informationsquelle auf.Aber auch der Kontakt mit Buchhändlern oder direkt mit den Verlagen kann verhindern, dass Manuskripte an der falschen Adresse landen und der Autor wie leider sehr oft eine Absage (wenn überhaupt) erhält. Sandra Uschtrin gab dabei allerdings zu bedenken, dass Autoren eine hohe "Frustrationstoleranz" brauchen. Eine Vielzahl von Ablehnungen muss nicht unbedingt bedeuten, dass das Manuskript schlecht ist. Doch sollte man ab ca. der vierzigsten Absage doch nochmal sein Werk überdenken und selbstkritisch beurteilen.

Sehr ausführlich ging Sandra Uschtrin neben der eigentlichen Gestaltung des Manuskriptes (mit der „Normseite“ als Standard) auf die Gestaltung des Anschreibens an die Verlage ein, das im Gegensatz zu dem Manuskript zwar persönlich aber doch frei von künstlerischen Freiheiten sein sollte. Eher konservativ gestaltet sollte es unbedingt seriös wirken.
Die verschieden Arten von Verträgen wurden vorgestellt und dabei auch die wichtige Frage beantwortet, was man mit dem Schreiben verdienen kann. Der zunächst etwas dubios klingende Begriff des „Nettoladenverkaufspreises“ wurde erklärt und wie wichtig es auch im Literaturwesen ist, sich Verträge genau anzusehen.
Durch diese Zahlen zwar etwas ernüchtert, aber trotzdem enorm durch die Tipps von Sandra Uschtrin bereichert, sehe ich auf ein gelungenes Seminar zurück.

Juliane Rutz

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Seminarreflexion Projekttage Juni 2006 im Binger Wald:

Im "Einklang" mit Natur und Lyrik

Am Freitag, den 16.Juni 2006, trafen die 10 TeilnehmerInnen und Rüdiger Heins als Projektleiter im Gerhardshof im Binger Wald zusammen, um in den darauf folgenden Tagen
gemeinsam an einer CD-Produktion zu arbeiten.
Nachdem ein jeder an den Gasthof im Wald und ein Bett zum Schlafen gefunden hatte,
die Zimmer eingerichtet und die Mägen gesättigt waren, läutete Rüdiger Heins die Projekttage mit einer ausführlichen, spannenden Vorstellungsrunde ein, bei der sogar "Alteingesessene" Neues über die anderen kreativen Schreiber erfuhren.
Sobald die Planung für die folgenden Projekttage besprochen war und man sich einstimmig
auf moderne Lyrik als Sujet für die CD geeinigt hatte, konnte man sich den geschriebenen
Dingen widmen.

Jede(r) TeilnehmerIn suchte sich aus seinem mitgebrachten Fundus an Texten zwei Gedichte aus, welche er in der Runde vortrug, die dem jeweiligen Leser aufmerksam lauschte.
Hierbei ging es vordergründig noch nicht um die konkrete Auseinandersetzung mit der gelesenen Lyrik, sondern mehr um das "Sicheinfinden" in die eigenen Verse und möglicherweise darum, sich selbst für oder gegen Texte zu entscheiden, die später Platz auf der CD finden sollten.
Anschließend wurden die Gedichte untereinander getauscht, sodass jeder Anwesende einem fremden Gedicht die persönliche Intonations-Note verleihen konnte, die den ein oder anderen überraschte, doch auch inspirierte.

Am nächsten Morgen, vom Hahnenschrei und Vogelgesang geweckt, ging es nach einer Nachtwanderung und wenig Schlaf, aber einem leckeren Frühstück in der dem Gasthof angeschlossenen Gaststätte, mit einem Spaziergang im Wald bei Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen im Programm weiter.
Atem- Auflockerungs und Tai-Chi-Übungen auf einer von Zecken wimmelnden aber malerischen Wiese beflügelten die Geister, die sich danach mit den Tempi und Dynamiken ihrer modernen Lyrik auseinander setzten und jeweils eines ihrer Gedicht schnell, langsam, laut oder leise....rezitierten.

Eine weitere Sitzung, in der es um einzelne Gedichte ging, bei denen sich der Autor/die Autorin inhaltlich noch unsicher waren und um die Rückmeldung der anderen baten, folgte, bevor man die Dramaturgie der CD besprach, sich in Kleingruppen noch ein letztes Mal vor der Aufnahme die endgültigen Texte für die CD-Aufnahme gegenseitig vorlas und letzte Verbesserungen in Betonung, Geschwindigkeit und Aussprache vornahm.
Bestens vorbereitet wurde dann Martin Rector auf dem Gerhardshof empfangen, der mit seinem mobilen Equipment für die Aufnahme der einzulesenden Texte zuständig war und seine Tätigkeit professionell und souverän meisterte, aber auch am Abend beim gemütlichen Beisammensitzen für viel Lachen bei allen sorgte.
Doch noch war die Arbeit nicht ganz getan: Es fehlte der Titel für die CD und man zerbrach sich die Köpfe darüber, welche Bezeichnung am besten zu den Teilnehmern, ihren Texten und die Projekttage passen würde.
Dem Geistesblitz von Rüdiger Heins stimmte man mehrheitlich zu und so wurde die CD "Urstrom" getauft.

Der Titel war jetzt gefunden, allerdings war man sich einig, dass dem Gesprochenen eine musikalische Untermalung fehlte. Also legten alle Stimme an und begaben sich im Aufnahmemodus unter Anleitung von Helmut Schleder zusammen in die Welt des Obertongesangs, bei dem ein starkes Gefühl der Verbundenheit und des "Sich-Fallen-Lassens" entstand, mit dem man diesen Abend ausklingen lies.
Der letzte Tag des Projektes wurde mit der Abschlussbesprechung abgerundet, in der die Feinheiten zur CD-Produktion zur Sprache kamen und die Teilnehmer sich herzlichst mit dem Gedanken voneinander und vom Gerhardshof verabschiedeten, intensive, idyllische, produktive, einmalige, jedoch auch viel zu schnell vergangene Projekttage hinter sich zu lassen.

Mit Spannung wird nun die CD "Urstrom - moderne Lyrik" erwartet, die Ende Juli die individuellen Werke und das Herzblut von 10 Autoren und Autorinnen beinhaltet.

Juni 2006, Christine Seiler (Praktikantin)

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