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INKAS
- Zeiten
Reflexion von Marlene Schulz,
19. April 2010
Ich
lernte sie alle kennen:
Die Lust des Schreibens war die erste, die mir zur Seite stand, die neben
mir wachte, war ich müde, die mich in ihre Arme schloss, war mir
nach Nähe.
Die Fremde in mir entdeckte ich
neu als hätte ich sie zuvor noch nie gesehen. Zeigte mir ihr Gesicht,
ließ mich ihre Masken sehen, ihre Konturen, vom Alter gezeichnet.
Mit dem Duft der Amazone ritt ich
auf hohem Ross, begleitete sie auf ihren Streifzügen, ihren Kämpfen
mit harten Gegnern, manchmal im Wettstreit mit sich selbst oder nur mit
dem einen, dem Meister.
Die erste Liebe mischte sich unter
den Duft meiner Kindheit, entfachte das Feuer der Freude, weckte alle
Sinne: Sehen. Hören. Schmecken. Riechen. Fühlen.
Den Moment des Augenblicks lernte
ich kennen, drehte und wendete ihn, ließ ihn nicht los, versuchte
ihn zu ergründen, verweilte mit ihm im Jetzt und genoss.
Entdeckte die Langsamkeit und die
narrative Landkarte des Glücks. Mein Glück war das Schreiben.
Gab mich nicht geschlagen, verwandelte Gelesenes, Gehörtes, Gefühltes,
Gedachtes in Scheine, beschäftigte mich mit François Villon,
Gerd Fuchs, Robert Lax, William Carlos Williams, Emily Dickinson, William
Shakespeare, Allen Ginsberg, Gertrude Stein, John Berger, Regina Ullmann,
Jerome Salinger, Adelheid Duvanel, Silvia Plath, Ted Hughes.
Am Vorlesen hatte ich Freude, sah die gebannten Gesichter der anderen,
ihr Lächeln, ihr Gähnen, ihr Gespanntsein, ihre lange Weile
und ihre Unterschiedlichkeit, die mein Schreiben Früchte treiben
ließ, zur Ernte rief.
Mit Haiku, Senryu, Zeilenbruch
und Cutup wurde ich bekannt, mit dem Sonett schloss ich Freundschaft auf
steinernem Weg hinauf zum Gipfel, einem steilen Berg, die Spitze gelegentlich
vernebelt. In der Shortstory fühlte ich mich zuhause, schrieb innere
Monologe und Zweiminutentexte.
Sinnieren über Schreibzeiten,
Schreiborte und der Versuch über meinen Schreibtisch zwangen mich,
dem Schreiben einen Platz, seinen – den ihm gebührenden –
Raum zu geben. Diesen Teil in mir wachsen zu lassen und gedeihen.
Die Spreu vom Weizen zu trennen
lernte ich schmerzlich, weinte Tränen um manchen Text. Ließ
mich mitreißen, wenn alles im Fluss war, mich mit hineinziehen in
die Tiefen, in den Strudel, der endlos schien. Alles um mich verschwand,
nur noch das eine zählte: Schreiben. Schreiben. Schreiben.
Kurzum: Ich würde es wieder
tun!
© Marlene Schulz,
19. April 2010
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Schreiben kreativ,
Schreiben lernen, Schreiben erleben von
Barbara Döring (31.03.2010)
Letztes
Wochenende im März 2010, letztes INKAS-Wochenende. Zwei Jahre hat
mich die Welt des Kreativen Schreibens begleitet.
Zwei Jahre reservierte ich mir die Kompaktwochenenden einmal im Monat
bei Rüdiger Heins in Bad Kreuznach.
Voller Erwartung saß ich
ab April 2008 in der Runde der Schreibenden. Mein Herzklopfen bei der
ersten Schreibübung war nicht zu unterdrücken, wirkten die übrigen
Seminarteilnehmer doch schon sehr geübt und routiniert. Der gleitende
Einstieg in Rüdiger Heins Studienbeginn brachte mit sich, dass sich
in der Gruppe Fortgeschrittene und Anfänger befanden.
Eine beliebte Übung in den
Schreibfluss zu kommen ist der „Zwei-Minuten-Text“. Frei werden,
kontrolliertes Denken ausschalten, spontan an ein Thema herangehen. Zweifel
wurden bei mir schnell ausgeräumt, als nach dieser kurzen Zeit tatsächlich
ein kleiner Gedankenentwurf auf dem Papier stand. Diese Texte bildeten
meist eine wertvolle Grundlage für weiterführendes Arbeiten.
Geliebt habe ich diese Übungsform
bis zum Schluss nicht. Löste die Stoppuhr jedes Mal den Reflex aus,
ich kann unter Zeitdruck nicht schreiben. Und doch wurden „Zwei-Minuten-Texte“
die Grundlage für meine Abschlussarbeit.
Haiku, Senryu, Han-Shan-Gedichte, Sonett, alle Dichtformen, erleichterten
mir den Zugang zur Lyrik und weckten meine Begeisterung unter anderem
für den Zeilenbruch.
War ich zu Beginn noch sehr beeindruckt
von dem Schreibvermögen der Studenten und Studentinnen im 3. und
4. Semester, verschwanden meine Unsicherheiten schnell. Durch gegenseitige
Hilfestellung und einfühlsames Aufeinander zugehen wurde das Hineinwachsen
in die Gruppe erleichtert.
Rüdiger Heins schaffte es,
jeden Teilnehmer dort abzuholen, wo er gerade stand.
Schreibblockaden, Denkpausen, passive Zeiten, alle Phasen durchlebte ich
in den zwei Jahren. Auch die Frage: „Wofür setze ich mich diesen
Anforderungen aus?“ stellte ich mir mehr als einmal. Ganz schnell
beantwortete sie sich selbst, indem der Drang zum Schreiben täglich
präsent war und weiterhin ist.
Short-Story, Spannungsbögen, Cluster, Plot, Protagonisten, Handlungsaufbau,
Textkulisse, viele neue Übungsfelder wurden in meinem Alltag erschlossen,
machten mich neugierig auf unbekannte Welten.
Die Hinführung von der Klassik bis zur Moderne zeigten mir die unerschöpflichen
Quellen des Lesens und Schreibens.
Zwei Jahre stand das „Schreiben
lernen“ im Mittelpunkt meines Alltags.
Höhen und Tiefen erlebte ich in der Gruppe und in meinem persönlichen
Schreibprozess. Erschöpft aber auch stets bereichert, trennten wir
uns nach unseren Seminarwochenenden, ausgestattet mit wertvollen Übungstipps
für unsere Schreibaufgaben.
Das Ende von INKAS ist der Beginn
einer neuen Zeit.
Die Epoche danach wird nun geprägt sein, das Erlernte zu erproben,
zu verfeinern und auszubauen.
Der Gedanke, dass mir das Schreiben nie genommen werden kann, mein Eigens
ist, gibt mir ein gutes Gefühl.
Barbara Döring, geb. 1951, wohnhaft im Kreis Bad Kreuznach, hat das
Schreiben für sich entdeckt. Das Studium bei INKAS erschloss ihr
eine neue Welt der Kreativität.
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Mein
INKAS-Studium – eine Abschlussbetrachtung
von Anne Mai
Am Naheufer
lag meine Inkas-Insel
im Fluss des Schreibens
Ein
wenig befangen und zugleich neugierig sitze ich im Oktober 2006 zum ersten
Mal in Bad Kreuznach im INKAS-Seminarraum der Katholischen Erwachsenenbildung
St. Hildegard. Zweieinhalb Jahre später, im März 2009, werde
ich hier mein Studium des Creative Writing beenden.
In
der Zeit dazwischen reise ich einmal im Monat an die Nahe, um dort auf
meiner Schreibinsel anzulegen. Spätestens an den roten Felsen bei
Bad Münster fällt der Vorhang vor den Alltag und eine neue Bühne
öffnet sich, auf der das Schreiben die Hauptrolle spielt.
Eine wortreiche Nebenwelt, eine wortfrohe Nahewelt, manchmal auch eine
lustige Nebelwelt und eine frustige Notenwelt, all das wird INKAS über
zwei Jahre für mich sein. Aber letztendlich fließt an der Nahe
alles zusammen, bildet alles eine Einheit, im Schreiben und der Freude,
die ich dabei erfahre.
Ich begegne einer Gruppe unterschiedlicher Menschen, in der jeder seinen
Mosaikstein zum Ganzen fügt und so immer wieder neu das Kunstwerk
INKAS entstehen lässt, das Rüdiger Heins 1997 gegründet
hat.
Bereits am ersten Seminarabend erfahre ich vieles über kreatives
Schreiben, Schreibprozesse und auch, dass am Ende des Studiums ein eigenes
Buchmanuskript mit dem Ziel der Veröffentlichung stehen sollte.
In den Monaten danach gehört die konzentrierte Auseinandersetzung
mit dem Creative Writing, mit zeitgenössischer Lyrik und Prosa zu
meinem Schreiballtag. Der umfangreiche Themenstoff des literarischen Schreibens
wird während der Seminarwochenenden durch Theorie und praktische
Schreibübungen vermittelt und anschließende Hausarbeiten intensiviert.
Die entstehenden Texte überraschen immer wieder, auch die Gedanken
und Gefühle, die sich während des Schreibprozesses einstellen.
Mein Schreiben wird mir zum Bedürfnis, gewinnt an Sicherheit, Farbe
und Klang.
Das INKAS-Studium ist lebendige Erfahrung, begleitet von Höhen und
Tiefen, von Stolz und immer wieder auch Zweifeln. Es handelt sich nicht
um die klassische akademische Wissensvermittlung, sondern es erreicht
uns auf einer inneren Ebene, sendet von dort seine Impulse in die Kreativität
des Einzelnen und lässt intensive Prozesse entstehen.
Zum allgemeinen Unterrichtsstoff gehören auch das Schreibhandwerk
und -techniken wie Plot, Setting, Spannungsbögen oder Erzählperspektiven.
Wir arbeiten daran, das erworbene Wissen in unseren Texten umzusetzen,
und erstellen Cluster, Epigramme, Haiku und immer wieder Zwei-Minuten-Texte,
um leichter in den Schreibfluss zu kommen. Wider Erwarten bin ich besonders
fasziniert von lyrischer Verknappung wie Zeilenbruch oder Cut-up.
Die Planung und Durchführung von Lesungen gehört ebenfalls zum
Unterrichtsstoff. Das Thema Exposé gerät beinahe zum Störfall
eines Seminartages, weil diese professionelle Form strenge Maßstäbe
anlegt und die persönlichen Vorstellungen der Studenten zum Teil
erheblich davon abweichen. Ein Highlight ist das Entwickeln von Charakteren,
die plötzlich mit uns im Raum sitzen und ein Eigenleben führen
wollen.
Ich erfahre vieles über Literatur, von der Antike bis zur Moderne,
nicht zuletzt in Vorträgen, die wir Studenten selbst gestalten.
Ein weiterer Höhepunkt ist die Lesung „Vom Schreiben der Sinne“
auf der Landesgartenschau in Bingen, die unsere Gruppe über Lampenfieber
und Gewitterregen triumphieren lässt und fester zusammenschweißt.
Immer wieder vermittelt uns Rüdiger, dass nur der Klang die Worte
beseelt, und schärft unser Empfinden für das, was ihn vom Missklang
oder Nichtklang unterscheidet. „Klang“ ist Rüdigers Zauberwort
und ich bewundere sein untrügliches Gehör.
Von jedem Teilnehmer unserer Gruppe erhalte ich etwas, das mein Schreiben
positiv beeinflusst und weiter bringt, und hoffe, dass es mir gelungen
ist, Gegengeschenke zu machen.
Immer
wieder beginnen neue Studenten, andere beenden ihr Studium. Wir freuen
uns auf die Neuen und den frischen Wind, der mit ihnen in die Gruppe weht.
Aber wir spüren auch den Verlust, wenn jemand abschließt, unterbricht
oder eine Zeitlang fehlt. Nur Rüdiger ist immer da. Wir kommen und
gehen, Rüdiger bleibt.
Aber es ist gut zu wissen, dass er den Neuen ebenso zur Seite stehen wird
– als Dozent und Ansprechpartner, manchmal auch Zuchtmeister und
immer als oberste Klanginstanz. Es hat etwas Schönes, ihn dort zu
wissen, und hoffentlich weiß auch er, dass er dort bleiben muss,
weil er diesen Raum so wunderbar füllt.
Im Laufe meiner Inkas-Monate lerne ich jeden einzelnen Teilnehmer zu schätzen.
Für Carla und ihre Wortlust bin ich besonders dankbar, Manolo sieht
stets das Positive, der junge Manuel hat schon so viel geleistet, Benedikts
Stimme beeindruckt uns alle. Ich freue mich auf diese Studien-Wochenenden
mit Marion, Stephan, Monika und allen anderen. Im Laufe der INKAS-Zeit
rücken wir näher zusammen, denn Schreiben verbindet und lässt
Einblicke in innere Räume bei stets gewahrter Distanz zu. Wir gehen
sorgsam miteinander um und genießen auch die freie Zeit, das Abendessen
am Freitag, den Spaziergang in den Weinbergen, den Blick auf die Nahe
und den Bummel durch die Fußgängerzone.
Bad Kreuznach ist ein guter Schreibort. Ein Kaffee am Freitagnachmittag
in der Fußgängerzone ist oft der Einstieg in unsere Schreibwelt.
INKAS kann beginnen, die Auseinandersetzung mit dem Kreativen Schreiben
wird bis zum späten Samstagnachmittag die wichtigste Sache der Welt
sein.
Es
ist ein gutes Gefühl zu lernen und sich in Frage zu stellen, auch
das Schreiben stets aufs Neue in Frage zu stellen und es anzunehmen, um
sich dem Fließen der Worte zu überlassen. Sei es für eigene
Aufzeichnungen oder ein Projekt.
Ein solches findet sich auch für mich. Zusammen mit Carla Capellmann
startet die Arbeit an einem gemeinsamen Lyrikband. Außerdem beginne
ich ein zweites Vorhaben, das gute Fortschritte macht. Darin geht um die
Verbindung von Orten mit der Materie Stein.
Die Fertigstellung dieser Aufgaben bleibt mir am Ende meiner INKAS-Zeit,
ebenso die Freude am Schreiben. Was auch bleibt, ist ein Leuchten, wenn
ich an INKAS und die Nahe denke, an Rüdiger und unsere Schreibgruppe.
Ich bin froh und dankbar für diese intensive Studienzeit. Sie ist
ein Geschenk fürs Leben.
Anne Mai, im April 2009
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DIE
AURA DER WORTE
Vom
11. – 14. Dezember 2008 fand in der Abtei Himmerod ein Kreatives-Schreiben-Seminar
mit dem Titel „... und mach meine Seele gesund“ statt. Ich
hatte schon oft mitbekommen, dass Rüdiger Heins Schreibseminare anbietet,
und dieses Mal sollte auch ich erstmals daran teilnehmen.
Bereits am Vorabend hatten wir
uns alle ein wenig beschnuppert und bei diversen Diskussionen warmgeredet.
Am kommenden Morgen ging es dann auch gleich mit folgender Fragestellung
ans Schreiben: Was macht mich krank? Was heilt mich?
Bei diesem Thema flog die Feder nicht nur bei mir über das Blatt,
sondern auch bei allen anderen Teilnehmern. Wir waren insgesamt 12, im
Alter von 35 – 85 Jahren. Also eine interessante und vielseitige
Mischung!
Die nächste Aufgabenstellung
war nicht mehr so allgemein und ging ins Eingemachte, aber schließlich
sollte bei uns etwas Heilen. Nach einer Art Themensammlung, was in Fachkreisen
Clustern genannt wird, schrieben wir einen Brief an unsere Mutter. Puh,
das war gar nicht so einfach! Die Stimmung änderte sich mit einem
Mal und verdrängte oder vergessene Erinnerungen kamen hoch. Die Luft
wurde schwerer, und beim anschließenden freiwilligen Vortrag floss
die eine oder andere Träne. Das war aber weiter nicht schlimm, da
das Seminar aus erwachsenen und wohlwollenden Menschen bestand, die genügend
Einfühlungsvermögen besaßen. Auch das Thema Vater wurde
behandelt, und die Erkenntnis folgte, dass man noch so alt sein kann,
aber wenn es um die Eltern geht, wurde man wieder zum Kind.
Die Stimmung vertiefte sich immer
weiter, und so war ein guter Seminar-Lehrer gefragt, der uns wieder erdete:
Wir machten eine Bildbeschreibung, lasen ein Gedicht und versuchten auf
verschiedenen Wegen eine Kurzgeschichte zu schreiben. Zwischendrin las
immer wieder jemand vor, und es war schön zu beobachten, wie unterschiedlich
die Teilnehmer waren und wie sich das durch ihr Schreiben offenbarte.
Und auch ein weiteres Phänomen
kam zum Vorschein, welches das ganze Seminar über unbewusst mitschwang:
Jedes Wort, jede Wortkombination, jede Wortfolge und selbst das Weglassen
von bestimmten Worten hatte eine andere Ausstrahlung, eine andere Färbung
und eine andere Aura. Dies wurde uns besonders bei einem Gedicht bewusst,
das wir interpretierten, und dessen Stimmung wir in einer selbstverfassten
Geschichte wiedergeben sollten.
Zum Schluss wurde das Wochenende schließlich mit der Traum-Poesie
abgerundet. Träume wurden notiert und besprochen, und nicht selten
hinterließen sie ein Geheimnis zurück.
Und in diesem Fall, verehrter Leser, möchte ich gerne von meiner
persönlichen Erfahrung berichten:
Ich
hatte mir einen Traum ausgesucht, den ich vor exakt drei Jahren geträumt
hatte, und dessen Deutung mir nie vollständig und befriedigend gelungen
war. Ich dachte mir: Hey, versuch es doch mal im Seminar, vielleicht gibt
es ja neue Erkenntnisse. Gesagt getan. Ich trug meinen Traum vor, blieb
aber bei der Deutung stehen, die ich bereits kannte. Irgendwie musste
durch das Hervorkramen und Schreiben bei mir doch ein Hebel in Gang gesetzt
worden sein. Das merkte ich daran, dass mir die Bilder des Traumes am
Abend, kurz vor dem Einschlafen, keine Ruhe ließen. Und dann geschah
etwas: Plötzlich durchfuhr mich wie ein Blitz die Deutung. Mir wurde
abwechselnd heiß und kalt und ich spürte: Das war es! Und weil
dieser Traum ein wichtiger Traum war, lag mir besonders viel an seiner
Deutung. Das Seminar hatte also über seine Zeit hinaus eine Heilung
bei mir verursacht, die ich als einen riesigen, persönlichen Erfolg
betrachte, und für den ich sehr dankbar bin. Und da wir gerade beim
Danken sind: Hey, Rüdiger! Das war ein tolles Seminar mit einer klugen
und souveränen Führung, welche das richtige Maß an Tiefe
und Leichtigkeit, an Emotionen und Erdung getroffen hat. Wir haben viel
gelernt. Danke!
Seta Arslanyan
Projektage
Niedermühle 2007,
Odernheim am Glan
Manolo Link, Dublin
Die
Projekttage in der Niedermühle begannen Freitagabend mit einem wundervollen
Referat von Hans Tönjes Redenius, Schriftsteller »Am Anfang
war das Wort«.
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das
Wort
Johannes 1,1-2
Auf seine fachkompetente Art brachte Redenius uns das Wesen und
die Macht des Wortes nahe.
Anne
Mai und Carla Capellmann bereiteten uns einen unterhaltsamen und lehrreichen
Samstagmorgen mit dem Thema Ulla Hahn, Autorin.
Die
Projekttage waren nicht nur geprägt von Haiku, Poesie und Kreativität.
Etwas ganz besonderes präsentierte Rüdiger Heins uns mittels
des Disibodenberg, der unmittelbar neben der Niedermühle, für
alle Teilnehmer eine unerschöpfliche inspirierende Quelle für
Schreibübungen war. Noch heute ist der Geist von Disibod, iro-schottischer
Wanderprediger, der um 600 die erste Taufkapelle und später ein Kloster
dort errichtete, und Hildegard von Bingen, die 500 Jahre später dem
Ort ihre Spiritualität verlieh, zu spüren. Die Niedermühle,
eingebettet in wunschträumerischer Natur, ist ein perfekter Ort für
eine Schreibwerkstatt. Unterbringung und Verpflegung hätten nicht
besser sein können.
Manolo Link, Dublin
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„Vom
Schreiben der Sinne“
Autorenlesung auf der Landesgartenschau in Bingen
Gertrud Kati Schwabach
Heiß
brennt die schwüle Luft, dringt durch die Kleidung bis auf der Haut.
Ein regengrauer Himmel hängt bleischwer über einem kleinen Grüppchen
Menschen, dass sich dem Wetter trotzend fröhlich-aufgeregt an einem
ungewöhnlichen Ort einfindet: einem Theater unter der Erde. Oder
fast. Es ist jedenfalls nicht zu sehen, wenn man über die weiten
Rasenflächen kommt.
Bingen am Rhein, 26. Juli 2008.
Menschen strömen, von der erdrückenden Schwüle scheinbar
unberührt, über die Landesgartenschau. Wunderschöne Blumen,
interessante Gärten und exotische Gewächse. Ein wenig versteckt,
hinter dem großen Halbrund der Openair-Bühne, befindet sich
das Tunneltheater.
Ein alter Fußgängertunnel
unter den Bahngleisen, zugeschüttet bis auf ein paar Meter, dient
heute als Kulisse für eine kleine, feine Veranstaltung: Der Wettbewerb
„Vom Schreiben der Sinne“ erfährt seine Krönung.
Die drei Preisträger stellen ihre Texte öffentlich vor. Und
auch andere Autoren des INKAS haben die Gelegenheit, nun einem Publikum
zu präsentieren, was sie in ihren Herzen, Köpfen und Fingern
tragen.
Eine aufregende Sache, denn die dringend benötigte Resonanz bedeutet
auch: Ich sehe meinem Schaffen ins Gesicht. Ich setze mich der Reaktion
völler unbekannter Menschen aus. Ich zeige mich und werde verletzbar.
Felsig-grüne Abhänge
leuchten zwischen dem Grau des Himmels und seiner Spiegelung im Rhein.
Burg Ehrenfels, still und alt am anderen Ufer des ehrwürdigen Flusses,
schaut gelassen über das Land. Vielleicht lächelt sie sogar
ein wenig, in sich hineinbrummend über das Treiben der Welt. Angesichts
der Herausforderung im Tunneltheater, selbst für die wunderbare Organisation,
hat ihre unerschütterliche Ruhe etwas Tröstliches.
Eine Mikrofonprobe macht den Vortragenden unweigerlich klar: Es ist soweit.
Hier und jetzt wird ein Publikum hören, was wir geschrieben haben.
Und es wird darauf reagieren.
Eine Harfe, ein Seeleninstrument,
verströmt ihre sphärischen Klänge, sehr passend und sensibel
gespielt von dem Musiker, der eigens für die Lesung geladen wurde.
Nicht alle Autoren sind gleich
aufgeregt und es ist auch nicht für alle Autoren das erste Mal. Und
so unterschiedlich wie die Texte, so unterschiedlich sind ihre Schreiber.
Die Vielfalt der menschlichen Wahrnehmungsfähigkeit darf sich hier
zeigen. Ganz deutlich wird das in der Wahl der Preisträger: ein zweiter
und zwei erste Plätze. Zu gut und zu verschieden sind die Texte,
als dass sie olympiamäßig auf drei Treppchen passen würden.
Eine Geschichte, genauestens Körpervorgänge beschreibend, die
durch unsere Sinne erlebt werden können. Eine Geschichte, die den
nicht vorhandenen Sinn des Sehens, ein blindes Kind, und die dadurch entstandene
Schärfe der Wahrnehmung zum Mittelpunkt wählt. Und eine Geschichte,
die den Zuhörer oder Leser mitnimmt in das sinnliche Erleben der
ersten Liebe.
Genau in dem Moment, als die letzte
Preisträgerin ihren Text vorträgt, bricht der Regen los. Eine
unterbrochene Lesung. Wie schade, aus der Faszination einer Geschichte
gerissen zu werden. Doch: Was für ein Glück, dass der Tunnel
für ein paar Meter noch vorhanden ist. Und so finden nicht nur die
Vortragenden, sondern auch das Publikum Schutz vor dem Gewitter. Eine
ungewöhnliche Nähe entsteht, die etwas Fröhliches hat.
Noch ein paar Mal wechseln die Akteure dieses Abends, ob Autoren oder
Publikum, die Plätze. Immer wieder Schauer, bis sich die rheinischen
Engel endgültig entscheiden, ihre Badewasser auszugießen. Der
Regen hat auch etwas Erlösendes, die Spannung der drückenden
Vorgewitterstimmung entsprach vielleicht der Stimmung der Autoren. Und
nun ist es ausgesprochen, nun sind die Worte in die Welt geschickt. Und
nun darf es regnen.
Gertrud Kati Schwabach
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„Vom
Zauber einen Text zu dichten und ihn vorzutragen“
eine Seminarreflexion von Katrin Schumacher
Bereits
der Titel des Seminars, das vom INKAS Institut für KreAtives Schreiben
veranstaltet wurde, birgt eine geheimnisvolle Stimmung. Das am Südrand
des Hunsrück gelegene Schloss Dhaun stand uns AutorInnen zwei Tage
zur Verfügung, um unter fachkundiger Anleitung von Bärbel Jenner
(Sprecherzieherin und Radiomoderatorin) und Rüdiger Heins, einen
intensiven Zusammenhang von Schreiben und Vortragen zu erfahren.
Die SeminarteilnehmerInnen wurden gleich zu Beginn des Seminars in zwei
Gruppen aufgeteilt:
Die Gruppe bei Rüdiger Heins
erarbeitete zunächst einen Text aus den Bereichen Prosa oder Lyrik.
Doch zuvor ermöglichte uns „Tai Chi“ (Interaktion von
Körper, Seele und Geist) eine Aktivierung der kreativen Denkprozesse.
Vermittelt und eingeübt wurden in diesem Seminarmodul besonders die
verschiedenen Elemente (Setting, Dramaturgie), die für die Planung
und den Ablauf einer Autorenlesung erforderlich sind.
Die SeminarteilnehmerInnen der
Gruppe bei Bärbel Jenner erlernten grundlegende Techniken der Atmung
und Stimmbildung (Lockerungs- und Beweglichkeitsübungen). In praktischen
Übungen (gegenseitiges Vorlesen) wurden dann unterschiedliche Kriterien
(Sprechgeschwindigkeit, Betonung, Atmung) überprüft und korrigiert.
Ein wichtiger Aspekt bildete hier die Wechselwirkung zwischen Autor, über
den Text hin zum Publikum.
Die AutorInnen hatten die Möglichkeit durch das Lesen und Hören
von Eigen- und Fremdtexten, sich in eine kritische Auseinandersetzung
zu begeben.
Höhepunkt des Seminars bildete
eine "StudioLesung", in der alle Elemente – von der Atmung
bis hin zur Präsentation – verknüpft und in Szene gesetzt
wurden. Jeder der Teilnehmer kam nun in den Zauber des gedichteten Vortrags.
April
2005, Katrin Schumacher
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Intensive
Vermittlung des Creative Writing
- Reflexion von Theo Schmich
Sechs
Frauen und ein Mann finden sich im Oktober 1998 in Bad Kreuznach erstmals
zusammen, um ein Seminar in kreativem Schreiben zu absolvieren. Eine Art
und Weise, an das literarische Schreiben heranzugehen, die in den USA
seit Jahrzehnten und mit mehr als beachtenswertem Erfolg eine Selbstverständlichkeit
ist und bei uns nach Jahren skeptischer Betrachtung allmählich auch
Eingang findet. Monatlich an einem Samstag findet das Seminar statt. Zwei
Jahre lang. Sieben Stunden jeweils an diesen Samstagen, vom späten
Vormittag bis in den frühen Abend.
Sechs Frauen, ein Mann, die übliche
statistische Zusammensetzung bei Kursen und Seminaren dieser Richtung
- viel Frau, wenig Mann. Und wie es sich gehört, hat der Mann den
weitesten Weg, 250 Kilometer des Morgens vom Ruhrgebiet nach Bad Kreuznach,
die gleiche Strecke des Abends zurück. Nach Abschluss des Seminars,
zwei Jahre nach jenem Oktober 98, wird er äußern, der weite
Weg jedes Mal, um an dem Seminar teilnehmen zu können, habe sich
durchaus gelohnt. Die meisten der Teilnehmerinnen kommen nicht von ganz
so weit - aus Bad Kreuznach und der näheren Umgebung, aber auch zwei,
die die Autobahnfahrt aus der ebenfalls nicht gerade vor der Haustür
gelegenen Eifel nicht schreckt, das Seminar zu besuchen.
Da das von einem Mann geleitet wird, von
Rüdiger Heins, fühlt selbst der Quotenmann sich bei diesem ersten
Treffen nicht völlig verlassen und einsam. Anfangs ein wenig Scheu
voreinander - wie könnte es anders sein, wenn einander bis dahin
unbekannte Menschen zusammen kommen, von denen erwartet wird, dass sie
einführend ihr bisheriges Verhältnis zur Literatur, zum literarischen
Schreiben, schildern. Und einander alsbald selbst verfasste Texte vorlesen,
die sechs Frauen, der Mann, im Alter verteilt von immerhin einiges über
Dreißig bis gerade mal knapp unter Siebzig. Ihr Erfahrungsgrad mit
Schreiben und Literatur unterschiedlich. Aber kein ausgemachter Profi
unter den Teilnehmern - Verzeihung, Teilnehmerinnen, denn die sind doch
in der Überzahl, und so wird im weiteren Verlauf des Seminars nur
die weibliche Form angewandt. Und wozu Profis. Dafür ist das Seminar
doch da, um im Schreibhandwerk geschulte Autoren aus ihnen zu machen.
Befreiend zunächst die Erfahrung, dass
niemand, der Seminarleiter nicht und auch nicht die Teilnehmer/innen,
kritikwütig über die Texte der jeweils anderen herfallen - eine
Erfahrung, die sich in vielen Schreibkursen anderswo sehr wohl machen
lässt. Aber hier, am Hermann Hesse Institut für Kreatives Schreiben
zu jener Zeit, jetzt INKAS - Institut für Kreatives Schreiben, nicht.
Sehr einfühlsam in die Texte, der Seminar- und Institutsleiter; doch
keineswegs völlig kritiklos. Kritik ist nötig, um zu lernen.
Doch die Kritik wird hier behutsam gehandhabt, nicht mit dem Knüppel
verabreicht sondern in angemessenen Dosen, so, wie es Geschöpfen,
Schöpfungen gegenüber angebracht ist; und ein literarischer
Text ist eine Schöpfung, wie der Seminarleiter immer wieder verdeutlicht.
Beruhigend auch in diesem Zusammenhang die Vorgabe und Versicherung von
Rüdiger Heins, dass nichts von dem, was während der Seminarstunden
geäußert wird, nach außen dringt, weiter getragen wird.
Geht es doch um kreatives Schreiben, eine Form des Schreibens, bei der
sehr viel Privates, Autobiographisches ans Licht drängt, verarbeitet
und - vorgelesen wird.
Kreatives Schreiben, Lyrische Archäologie,
Zeitgenössische Lyrik und Prosa - so lauten die sachlichen Bezeichnungen
für den Unterrichtsstoff. Wobei die Übungen zum kreativen Schreiben
zum Handwerkszeug verhelfen und die anderen Dinge vor allem dem Verständnis
von Literatur und deren Entstehung dienen - Tausende von Jahren liegen
die Wurzeln zurück. Ein ehrwürdiges Handwerk, die Schriftstellerei.
Den
Zugang zu zeitgenössischer Lyrik und Prosa erleichtern und vertiefen
kurze Vorträge, die die Einzelnen nach Vorschlag durch den Seminarleiter
über namhafte Autoren auf diesen Gebieten halten. Doch bei Vorträgen
bleibt es keineswegs, praktische Übungen sind der Kern der Seminartage
- das Schreiben von Erzählungen nach vorgegebenen Handlungsmustern
etwa. Das Verfassen lyrischer Texte, angefangen bei der strengen Form
des Haiku bis zu Gedichten offener Struktur. Wobei bei allen Teilnehmer/innen
von Mal zu Mal das Verständnis für diese Formen wächst
und sich die Qualität ihrer literarischen Schöpfungen deutlich
steigert. Sogar den Quotenmann, der sich bei Seminarbeginn nicht gerade
als ausgemachter Lyrikfreund offenbarte, fasziniert mit fortschreitendem
Unterricht die Gedichtform mehr und mehr und schließlich verfasst
er, wie die anderen, eigene Gedichte - was er bis dahin für undenkbar
gehalten hätte.
Zur Ergänzung und Vertiefung der Übungen
erhalten die Teilnehmer/innen für die Wochen zwischen den monatlichen
Treffen in Bad Kreuznach literarische Hausaufgaben - die Fortführung
am Seminartag begonnener Texte, Haiku oder sonstige Gedichtformen zu bestimmten
Themen und anderes mehr. Wobei die Sonnenfinsternis im August 1999 Anlass
zu einer Übung, zu einer Hausaufgabe ganz besonderer Art bietet:
Vierzehn Tage lang, beginnend am 1. August, schreiben die Seminarist/innen,
an ihrem jeweiligen Heimatort, in Erwartung der Sonnenfinsternis Zweiminutentexte
über Tageseindrücke, Texte einer Länge, wie sie sich in
zwei Minuten schreiben lassen, zu beliebiger Tageszeit, am Tag der Finsternis
jedoch um genau 11 Uhr 8. Die einzelnen Texte werden sodann in einer im
Semiarverlauf gegründeten Literatur--zeitschrift, der EXPERIMENTA,
veröffentlicht, die sich, noch während des Seminars, mit Ausgaben
zu weiteren Themen fortsetzt.
Mehr oder weniger alles trockener Stoff?
Eine Einführung in die Deutung persönlicher Träume lockert
ihn auf. Geführte Meditationen. Übungen zu Yoga und Thai Chi,
um Körper und Geist zu entspannen, was wiederum der Kreativität
zuträglich ist. Und auch die Schreibübungen werden nicht ausschließlich
im Seminarraum des Institutes in der Dr. Faust Gasse von Bad Kreuznach
abgehalten, sondern hin und wieder in der Natur: An einer besonderen Stelle
im Wald der näheren Umgebung und, besonders eindrucksvoll, abseits
von Bad Kreuznach auf dem Disibodenberg mit seinen imponierenden Resten
des ehemaligen Benediktinerklosters dort. Das Abhalten etlicher Seminartage
an den Heimatorten der einzelnen Teilnehmer/innen bringt weitere Abwechslung,
neue Eindrücke. Und durch das alles zusammen genommen sind die angehenden
Schriftsteller/innen nach einem Jahr Seminar soweit, ihre größte
Übungsaufgabe in Arbeit zu nehmen, ein Buchprojekt. Dessen Thema
freigestellt ist. Das zu Beginn einzeln mit dem Seminarleiter besprochen,
im weitern Verlauf von ihm lektoriert wird.
Und, ebenfalls nach etwa einem Jahr Seminar,
öffentliche Lesungen, auf denen die Seminaristen besonders gelungene
Texte vortragen: im Kurhaus in Bad Meddersheim, in der Hildegardis-Kapelle
von Bingen, der wohl bekanntesten Persönlichkeit dieser Stadt, Hildegard
von Bingen gewidmet, in einer ehemaligen Eishöhle der Eifel, früher
zur Eisgewinnung genutzt sowie, immer ein Jahresereignis, auf der Langen
Nacht der AutorInnen in Bad Kreuznach. Mit Vergabe eines Literaturpreises,
dem Bumerang.
Doch noch ist das Seminar nicht abgeschlossen:
Vom Seminarleiter bekommen die Teilnehmer/innen die Aufgabe, Rezensionen
von Büchern zu schreiben, die sie zu diesem Zweck zugeteilt bekommen.
Das eine oder andere Ergebnis wird in Literaturzeitschriften erscheinen.
Und in jedem Jahr - zwei davon erlebt das Seminar - ein gemeinsamer Besuch
der Frankfurter Buchmesse, um die Atmosphäre dort kennen zu lernen
und den einen oder anderen der bewunderten "Großen" zu
erleben, zu denen man eines Tages vielleicht - alles ist möglich
- selber gehört.
Mit einer kleinen Feier mit Übergabe
eines Zeugnisses über die Teilnahme am Seminar enden die zwei Jahre.
Wobei die Absolventen beschließen, sich weiterhin zu Arbeitstreffen
und gemeinsamen Lesungen zusammenzufinden. Und ihre Literaturzeitschrift,
die EXPERIMENTA, weiterzuführen.
März 2001, Theo Schmich
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Creative
Writing – Studium in Bad Kreuznach vom 04.04.03 bis zum 19.03.05
Studienleiter: Rüdiger Heins
Reflexion
von Petra Rauber
Seit
Mai 2001 besuchte ich mehrere Creative Writing – Seminare unter
Leitung von Rüdiger Heins.
Ich erhielt ein Stipendium des Instituts und entschloss mich daher, trotz
ganztägiger Berufsausbildung und Familie, das Studium zu absolvieren.
Innerhalb des Studiums organisierte ich eine „Lange Nacht der Autoren“
und war behilflich bei der Organisation einer weiteren.
Ich erhielt den Lyrikpreis 2003 der Stadt St. Wendel und den Bumerang
– Literaturpreis des INKAS – Instituts (Publikumspreis) im
Jahr 2004.
Die
Studientage waren informativ, mit viel Humor und Ideen gespickt und ich
empfand es so, dass jeder das mitnehmen konnte, was er aufzunehmen bereit
war.
Zu
Beginn des Studiums ernteten wir von Rüdiger Heins sehr viel Zustimmung
für unsere Texte. Kritik wurde vermieden, nur Ergänzungsvorschläge
und Hinweise an die Frau / den Mann gebracht.
Ab dem zweiten Semester forderten wir uns die Kritik des Studienleiters
ein, die uns dann auch gegeben wurde. Sie war nie persönlich, sondern
objektiv und konstruktiv und forderte mein literarisches Talent heraus.
Ich spürte bei jedem meiner vorgetragenen Texte die - spätestens
zuhause - wohltuende und bereichernde Wirkung dieser Kritiken.
Ebenfalls anregend, weiterführend und mit am Wichtigsten empfand
ich die Möglichkeit des Austauschs und der Kritik untereinander.
Es
war eine schöne Zeit, die, wie könnte es anders sein, nun doch
viel zu schnell vorüber ging.
Petra
Rauber St. Wendel, den 01.05.05
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Creative
Writing
Wege zum eigenen Buch
Wann: Donnerstag,
23.06.05 (09.00 Uhr) bis Sonntag, 26.06.05 (4 Tage)
Ort: Bosener Mühle, Saarland
Dozent: Rüdiger Heins, Bingen
Teilnehmer: 10 Frauen, 3 Männer
Das
Kreative Schreiben, erfahren die Teilnehmer, heißt richtig: CREATIVE
WRITING, wird in den USA seit vielen Jahren gelehrt und hat vor allem
etwas mit Haufen, richtig CLUSTER zu tun. Ein Beispiel:
Bei dem CLUSTER steht das Schlüsselwort
in der Mitte, wird mit einer Ellipse umrahmt und um dieses Schlüsselwort,
diese Ellipse herum werden weitere Begriffe, die einem dazu einfallen
notiert, ebenfalls mit einer Ellipse umrahmt und mit einem Strich zum
Schlüsselwort verbunden.
Das CLUSTER hat eine verblüffende
Wirkung. Es zwingt die Teilnehmer den in ihnen ruhenden Vulkan zum Ausbruch
zu bringen und gleichzeitig das ausbrechende Chaos zu visualisieren und
ihm Struktur und Ordnung zu geben. Als Beobachter dieses Vorganges ist
man geneigt die Behauptung aufzustellen: Das CLUSTER ist die notwendige
Bedingung für Kreatives Schreiben (CREATIVE WRITING).
Nach den ersten Übungen, ein
CLUSTER auf ein leeres Blatt (Querformat) zu malen, öffnen sich die
Türen. Bei manchen Spalte um Spalte. Bei anderen werden die Schlösser
gesprengt und der Zwei-Minutentext ergießt sich bzw. purzelt bei
den weniger geübten und erfahrenen Teilnehmern auf das Blatt.
GREATIVE WRITING, Schreiben, wie
es der Dozent versteht, ist literarisches Schreiben. Jeder weiß,
was es ist, keiner kann es erklären. Lyrik, ein Ehrfurcht gebietendes
Wort. Die Teilnehmer, die nach wenigen Textübungen zu SchriftstellerInnen
mutieren, verlieren die Scheu und dichten. Protagonisten gleich streifen
sie durch Settings mit Plots gefüllt, betrachten erst sich selbst
als Ich, um alsbald zum neutralen Beobachter zu werden und lassen Personen
Dialoge führen. Die Dramaturgie wird zum Spannungsbogen, der die
Geschichte so angenehm zu Gehör bringt.
Trainieren, täglich schreiben,
zwei Minuten, auch mehr, Kurse besuchen, Seminare, Ordnung ins Chaos bringen,
das ist das Credo. Im Gespräch mit den Teilnehmern (AutorInnen) versteht
es der Dozent geschickt den richtigen Köder auszulegen, die verborgenen
Schätze zu heben.
Einhellig das Urteil am Schluss:
Das Seminar ein voller Erfolg.
Der Dozent hat seine Arbeit sehr gut gemacht. Ein wahrer Meister seines
Faches.
Winfried
Raab
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Professionalisierung
für Autoren und Autorinnen mit Sandra Uschtrin
in der KEB Bad Kreuznach
am 27.05.2006
Wohin
mit meinem fertigen Buchmanuskript? Wie bringe ich es an den Leser und
die Leserin?
Diese Fragen und viele weitere wurden von Sandra Uschtrin, Herausgeberin
der Literaturzeitschrift „Federwelt“ und des „Handbuches
für Autoren und Autorinnen“ an diesem Samstag beantwortet.
Sehr umfassend und kurzweilig stellte
sie Grundzüge des Verlag- und Agenturwesens dar, die für die
TeilnehmerInnen, egal ob Anfänger oder bereits gestandene Autoren
wichtige Einblicke in den Literaturbetrieb gaben.
Wie ein roter Faden zog sich immer wieder die Aufgabe der Recherche durch
das Seminar; nicht nur für die Erarbeitung eines Manuskriptes, sondern
auch für die anschließende Vermarktung des eigenen Werkes eine
durchaus ausschlaggebende Komponente. Welcher Verlag könnte an meinem
Manuskript interessiert sein, in wessen Programm passt mein Liebesroman,
Krimi oder meine Abhandlung über den Kreuzzug der Tempelritter? Das
Internet tauchte immer wieder als wichtige Informationsquelle auf.Aber
auch der Kontakt mit Buchhändlern oder direkt mit den Verlagen kann
verhindern, dass Manuskripte an der falschen Adresse landen und der Autor
wie leider sehr oft eine Absage (wenn überhaupt) erhält. Sandra
Uschtrin gab dabei allerdings zu bedenken, dass Autoren eine hohe "Frustrationstoleranz"
brauchen. Eine Vielzahl von Ablehnungen muss nicht unbedingt bedeuten,
dass das Manuskript schlecht ist. Doch sollte man ab ca. der vierzigsten
Absage doch nochmal sein Werk überdenken und selbstkritisch beurteilen.
Sehr
ausführlich ging Sandra Uschtrin neben der eigentlichen Gestaltung
des Manuskriptes (mit der „Normseite“ als Standard) auf die
Gestaltung des Anschreibens an die Verlage ein, das im Gegensatz zu dem
Manuskript zwar persönlich aber doch frei von künstlerischen
Freiheiten sein sollte. Eher konservativ gestaltet sollte es unbedingt
seriös wirken.
Die verschieden Arten von Verträgen wurden vorgestellt und dabei
auch die wichtige Frage beantwortet, was man mit dem Schreiben verdienen
kann. Der zunächst etwas dubios klingende Begriff des „Nettoladenverkaufspreises“
wurde erklärt und wie wichtig es auch im Literaturwesen ist, sich
Verträge genau anzusehen.
Durch diese Zahlen zwar etwas ernüchtert,
aber trotzdem enorm durch die Tipps von Sandra Uschtrin bereichert, sehe
ich auf ein gelungenes Seminar zurück.
Juliane
Rutz
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Seminarreflexion Projekttage Juni 2006 im Binger Wald:
Im "Einklang"
mit Natur und Lyrik
Am
Freitag, den 16.Juni 2006, trafen die 10 TeilnehmerInnen und Rüdiger
Heins als Projektleiter im Gerhardshof im Binger Wald zusammen, um in
den darauf folgenden Tagen
gemeinsam an einer CD-Produktion zu arbeiten.
Nachdem ein jeder an den Gasthof im Wald und ein Bett zum Schlafen gefunden
hatte,
die Zimmer eingerichtet und die Mägen gesättigt waren, läutete
Rüdiger Heins die Projekttage mit einer ausführlichen, spannenden
Vorstellungsrunde ein, bei der sogar "Alteingesessene" Neues
über die anderen kreativen Schreiber erfuhren.
Sobald die Planung für die folgenden Projekttage besprochen war und
man sich einstimmig
auf moderne Lyrik als Sujet für die CD geeinigt hatte, konnte man
sich den geschriebenen
Dingen widmen.
Jede(r) TeilnehmerIn suchte sich
aus seinem mitgebrachten Fundus an Texten zwei Gedichte aus, welche er
in der Runde vortrug, die dem jeweiligen Leser aufmerksam lauschte.
Hierbei ging es vordergründig noch nicht um die konkrete Auseinandersetzung
mit der gelesenen Lyrik, sondern mehr um das "Sicheinfinden"
in die eigenen Verse und möglicherweise darum, sich selbst für
oder gegen Texte zu entscheiden, die später Platz auf der CD finden
sollten.
Anschließend wurden die Gedichte untereinander getauscht, sodass
jeder Anwesende einem fremden Gedicht die persönliche Intonations-Note
verleihen konnte, die den ein oder anderen überraschte, doch auch
inspirierte.
Am nächsten Morgen, vom Hahnenschrei
und Vogelgesang geweckt, ging es nach einer Nachtwanderung und wenig Schlaf,
aber einem leckeren Frühstück in der dem Gasthof angeschlossenen
Gaststätte, mit einem Spaziergang im Wald bei Sonnenschein und sommerlichen
Temperaturen im Programm weiter.
Atem- Auflockerungs und Tai-Chi-Übungen auf einer von Zecken wimmelnden
aber malerischen Wiese beflügelten die Geister, die sich danach mit
den Tempi und Dynamiken ihrer modernen Lyrik auseinander setzten und jeweils
eines ihrer Gedicht schnell, langsam, laut oder leise....rezitierten.
Eine weitere Sitzung, in der es
um einzelne Gedichte ging, bei denen sich der Autor/die Autorin inhaltlich
noch unsicher waren und um die Rückmeldung der anderen baten, folgte,
bevor man die Dramaturgie der CD besprach, sich in Kleingruppen noch ein
letztes Mal vor der Aufnahme die endgültigen Texte für die CD-Aufnahme
gegenseitig vorlas und letzte Verbesserungen in Betonung, Geschwindigkeit
und Aussprache vornahm.
Bestens vorbereitet wurde dann Martin Rector auf dem Gerhardshof empfangen,
der mit seinem mobilen Equipment für die Aufnahme der einzulesenden
Texte zuständig war und seine Tätigkeit professionell und souverän
meisterte, aber auch am Abend beim gemütlichen Beisammensitzen für
viel Lachen bei allen sorgte.
Doch noch war die Arbeit nicht ganz getan: Es fehlte der Titel für
die CD und man zerbrach sich die Köpfe darüber, welche Bezeichnung
am besten zu den Teilnehmern, ihren Texten und die Projekttage passen
würde.
Dem Geistesblitz von Rüdiger Heins stimmte man mehrheitlich zu und
so wurde die CD "Urstrom" getauft.
Der Titel war jetzt gefunden, allerdings
war man sich einig, dass dem Gesprochenen eine musikalische Untermalung
fehlte. Also legten alle Stimme an und begaben sich im Aufnahmemodus unter
Anleitung von Helmut Schleder zusammen in die Welt des Obertongesangs,
bei dem ein starkes Gefühl der Verbundenheit und des "Sich-Fallen-Lassens"
entstand, mit dem man diesen Abend ausklingen lies.
Der letzte Tag des Projektes wurde mit der Abschlussbesprechung abgerundet,
in der die Feinheiten zur CD-Produktion zur Sprache kamen und die Teilnehmer
sich herzlichst mit dem Gedanken voneinander und vom Gerhardshof verabschiedeten,
intensive, idyllische, produktive, einmalige, jedoch auch viel zu schnell
vergangene Projekttage hinter sich zu lassen.
Mit Spannung wird nun die CD "Urstrom
- moderne Lyrik" erwartet, die Ende Juli die individuellen Werke
und das Herzblut von 10 Autoren und Autorinnen beinhaltet.
Juni 2006, Christine
Seiler (Praktikantin)
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